Krankenhausinfektionen aktiv vermeiden

Das Institut für Hygiene und Umweltmedizin stellt Tipps zur Vorbeugung der verbreitesten Krankenhausinfektionen für Patienten bereit und erläutert die Präventionsmaßnahmen an der Charité:

Sie befinden sich hier:

Was tut die Charité Berlin, um Krankenhausinfektionen zu vermeiden?

Krankenhaushygiene an der Charité

Die Charité erfüllt die Vorgaben der Berliner Hygieneverordnung zur Beschäftigung von Hygienefachpersonal. Das Hygienefachpersonal entscheidet gemeinsam über die wichtigsten Maßnahmen zur Infektionsprävention. Diese werden im Hygieneleitfaden der Charité fixiert und routinemäßig an die spezifischen Erfordernisse der einzelnen Risikobereiche angepasst. Alle Mitarbeiter werden regelmäßig entsprechend geschult und die Umsetzung der Maßnahmen wird vor Ort kontrolliert. In den wichtigsten Risikobereichen (z.B. Intensivstationen) erfolgt eine kontinuierliche Überwachung der nosokomialen Infektionen. Gleichzeitig ist eine umfangreiche Überwachung aller multiresistenten Erreger gewährleistet.

Patienten, die zu bestimmten Risikogruppen gehören, werden bereits bei Aufnahme in die Charité auf multiresistente Erreger untersucht, um ggf. sofort geeignete Präventionsmaßnahmen einleiten zu können. Das krankenhaushygienische Labor untersucht darüber hinaus regelmäßig die Aufbereitungsqualität von wiederzuverwendenden Medizinprodukten (wie z.B. Endoskope), die Aufbereitungsleistung von Reinigungs-und Desinfektionsautomaten und anderer für die Krankenhaushygiene relevanter Technik. Mit Hilfe von Typisierungsuntersuchungen können im Verdachtsfall Übertragungsereignisse von Bakterien identifiziert werden.

Wegen der großen Bedeutung der Händehygiene für die Vermeidung der Übertragung von Infektionserregern werden Untersuchungen zur Einhaltung der Händehygiene durchgeführt und der Verbrauch von alkoholischem Händedesinfektionsmittel regelmäßig erfasst und ausgewertet.

Das Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité hat auch national eine große Bedeutung im Rahmen der Infektionsprävention im Krankenhaus: Es ist das Nationale Referenzzentrum für die Surveillance von nosokomialen Infektionen und koordiniert die nationale Händehygiene-Kampagne "Aktion Saubere Hände". Darüber hinaus arbeitet es eng mit den Kollegen der European Centres for Prevention and Disease Control (ECDC) zusammen sowie mit Kollegen aus vielen anderen europäischen Ländern im Rahmen von europäischen Drittmittelprojekten.

Wie ist die Krankenhaushygiene an der Charité organisiert?

Die ärztlichen und nicht-ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hygiene-Instituts unter der Leitung von Frau Prof. Petra Gastmeier vereinen für alle drei Standorte der Charité das Fachwissen und die Kompetenz der Infektionsprävention und Hygiene.

An jedem Campus der Charité gibt es ein Hygieneteam, bestehend aus einem zuständigen Oberarzt, Assistenzärzten und Hygienefachkräften. Während die ärztlichen Mitarbeiter nach dem Medizinstudium die fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin absolviert haben bzw. absolvieren, sind alle Hygienefachkräfte geprüfte Pflegekräfte, welche eine zweijährige Zusatzausbildung zur Fachkrankenschwester bzw. zum Fachkrankenpfleger für Hygiene absolviert haben bzw. absolvieren. An allen drei Standorten ist somit ein Team mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der Krankenhaushygiene tätig.

Zusätzlich gibt es im klinischen Bereich speziell geschultes hygienebeauftragtes Pflegepersonal und hygienebeauftragte Ärzte. Diese Kollegen werden regelmäßig zu Hygienethemen fortgebildet und sind wichtige Ansprechpartner zu Themen der Hygiene an der Charité.

Das Institut für Hygiene verfügt auch über ein eigenes krankenhaushygienisches Labor, in dem Proben von Patienten auf Krankheitserreger getestet, Untersuchungen zur technischen Krankenhaushygiene (z.B. Kontrollen von medizinischen Geräten) und zur Identifizierung von Infektionsübertragungen durchgeführt werden. Das Hygiene-Institut ist auch für die Ausbildung der Medizinstudenten auf diesem Gebiet zuständig.

Viermal pro Jahr tagt unter der Leitung des Ärztlichen Direktors die sogenannte Hygienekommission der Charité. Hier werden mit den hygienebeauftragten Ärzten der einzelnen Kliniken aktuelle Fragen der Infektionsprävention besprochen. Zusätzlich gibt es auf jeder Station hygienebeauftragtes Pflegepersonal, das regelmäßig zu diesem Thema fortgebildet wird und erster Anlaufpunkt auf den Stationen ist. Neu eingestelltes Personal wird in einer Einführungsveranstaltung mit den wichtigsten Prinzipien der Infektionsprävention vertraut gemacht.

Tipps zur Vorbeugung der häufigsten Krankenhausinfektionen:

Wundinfektionen nach Operationen vermeiden

Etwa 1-3 % der operierten Patienten entwickeln nach der Operation (OP) eine Infektion im Bereich der Operationswunde. Symptome sind Rötung der Haut und Schmerzen in diesem Bereich, Absonderungen aus dem Wundbereich und Fieber. Man kann diese Infektionen durch Antibiotika-Anwendungen behandeln, teilweise ist ein zusätzlicher Eingriff notwendig.

Was machen die Charité-Mitarbeiter zur Vermeidung von Wundinfektionen nach Operationen?

Vor der OP: z.B. Haarentfernung unmittelbar vor der OP, Hautdesinfektion

Während der OP: z.B. Antibiotika-Prophylaxe 30-60 min. vor Beginn der OP, gründliche Händedesinfektion des Chirurgen und Tragen von steriler OP-Kleidung und sterilen OP-Handschuhen

Nach der OP: Verschluss der Wunde mit einem sterilen Verband

Wie können Sie zur Vorbeugung beitragen?

Vor der OP: Informieren Sie die Ärzte über Allergien, Vorerkrankungen wie Diabetes, auffällige Hautausschläge oder -rötungen an der Stelle, wo operiert werden soll. Aber auch Übergewicht kann ein zusätzliches Risiko darstellen. Das Rauchen sollte gestoppt werden!

Nach der OP: Vor jeder Untersuchung sollten alle Mitarbeiter eine Händedesinfektion durchführen, sprechen Sie die Mitarbeiter an, wenn Sie es nicht beobachtet haben. Familienmitglieder und Freunde sollten auch eine Händedesinfektion vor dem Besuch durchführen, sie sollten nicht die Wunde oder den Verband berühren.

Was sollte nach Krankenhausentlassung beachtet werden?

  • Lassen Sie sich vom medizinischen Personal informieren, was Sie zum Umgang mit der Wund zu Hause wissen müssen.
  • Führen Sie immer eine Händedesinfektion durch, bevor Sie die Wunde berühren.
  • Lassen Sie sich informieren, wo Sie sich bei Problemen melden sollen.
  • Wenn Sie Symptome wie Rötung und Schmerz an der OP-Wunde, Absonderungen aus dem Wundbereich oder Fieber haben, kontaktieren Sie sofort den Arzt!

Katheter-assoziierten Blutstrominfektionen vorbeugen

Gefäßkatheter werden in die Venen des Körpers eingeführt (am Hals, an der Brust, am Arm oder in der Leiste). Sie werden genutzt, um Blutproben für die Diagnostik zu entnehmen oder Arzneimittel zu verabreichen. Für Mikroorganismen stellen sie eine potentielle Eintrittspforte in den Körper dar.

Im Falle einer Katheter-assoziierten Infektion entwickelt der Patient Fieber und Schüttelfrost, oder die Haut um die Eintrittsstelle schmerzt und ist gerötet. Man kann diese Infektionen durch Antibiotikagabe behandeln, in der Regel wird der Katheter gezogen.

Was machen die Charité-Mitarbeiter zur Vermeidung dieser Infektionen?

  • legen des zentralen Venenkatheters unter sterilen Bedingungen (Händedesinfektion, sterile Handschuhe, Kittel des Arztes, Hautdesinfektion des Patienten und sterile Abdeckung der Eintrittsstelle)
  • legen des peripheren Venenkatheters nach Hautdesinfektion des Patienten und Händedesinfektion des Mitarbeiters
  • tägliche Überprüfung, ob der Katheter noch notwendig ist
  • Händedesinfektion vor jedem Handgriff am Katheter oder am Infusionssystem
  • sorgfältiger Umgang mit Flüssigkeiten, die über den Katheter verabreicht werden sollen

Wie können Sie zur Vorbeugung beitragen?

  • Bitten Sie die Ärzte oder das Pflegepersonal um Erklärung, warum sie den Katheter benötigen und wie lange er liegen soll.
  • Beobachten Sie, ob die notwendigen Hygienemaßnahmen im Umgang mit dem Katheter vom Personal eingehalten werden, insbesondere ob vor jeder Tätigkeit am Katheter oder am Infusionssystem eine Händedesinfektion erfolgt. Sprechen Sie die Mitarbeiter ggf. darauf an!
  • Wenn der Verband an der Eintrittsstelle feucht oder schmutzig geworden ist, informieren Sie das Pflegpersonal.
  • Informieren Sie das Pflegpersonal, wenn die Umgebung der Eintrittsstelle gerötet ist oder schmerzt.
  • Familienmitglieder und Freunde sollten auch eine Händedesinfektion vor dem Besuch durchführen, sie sollten nicht den Katheter oder das Infusionssystem berühren.

Was sollte nach Krankenhausentlassung beachtet werden?

  • Sofern der Katheter vor der Entlassung noch nicht gezogen werden kann, lassen Sie sich vom medizinischen Personal über den Umgang mit dem Katheter genauestens informieren! Fragen Sie z.B., ob Sie mit dem Katheter duschen dürfen und wie Sie den Verbandswechsel durchführen sollen.
  • Führen Sie immer eine Händedesinfektion durch, bevor Sie am Katheter Hand anlegen.
  • Beobachten Sie sich im Hinblick auf das Auftreten von Symptomen wie Schmerzen und Rötung an der Eintrittsstelle oder Fieber und kontaktieren Sie bei Auftreten sofort den Arzt!

Schutz vor Katheter-assoziierten Harnweginfektionen

Harnwegkatheter werden in die Blase eingeführt (über die Harnwege oder die Bauchhaut) und benutzt, um den Harn abzuleiten oder den Umfang der Ausscheidung zu messen. Für Mikroorganismen stellen sie eine potentielle Eintrittspforte in den Körper dar.

Im Falle einer Katheter-assoziierten Harnweginfektion entwickelt der Patient Fieber, Brennen und Schmerzen im Unterbauch, eventuell ist der Urin blutig. Bei manchen Patienten treten diese Symptome aber trotz Infektion nicht auf.

Man kann Harnweginfektionen durch Antibiotikagabe behandeln, wenn möglich wird der Katheter gezogen.

Was machen die Charité-Mitarbeiter zur Vermeidung dieser Infektionen?

  • Harnwegkatheter werden nur gelegt, wenn es medizinisch notwendig ist und auch so bald wie möglich gezogen!
  • Es erfolgt eine Hautdesinfektion vor dem Legen, eventuell werden auch alternative Methoden der Katheterisierung verwendet (intermittierendes Katheterisieren, Kondomkatheter).
  • Wichtige Punkte der Katheterhygiene: Händedesinfektion vor jedem Handgriff am Katheter, möglichst wenig Trennungen zwischen Katheter und Urinableitbeutel, Vermeiden von Abknicken und Rückfluss, regelmäßiges Ausleeren des Urinbeutels.

Was können Sie zur Vorbeugung beitragen?

  • Fragen Sie jeden Tag, ob der Katheter noch gebraucht wird.
  • Beobachten Sie, ob die notwendigen Hygienemaßnahmen im Umgang mit dem Katheter eingehalten werden, insbesondere ob vor jeder Tätigkeit am Katheter oder am Infusionssystem eine Händedesinfektion erfolgt. Befolgen Sie diese Regeln auch selbst!
  • Der Urinbeutel sollte immer unter Blasenniveau gehalten, also nicht höher als auf Oberschenkelhöhe platziert werden.
  • Nicht am Katheter ziehen oder zerren, nicht die Katheterverbindung drehen! Sollten Sie das Gefühl haben, der Katheter sitzt nicht richtig, informieren Sie das Personal.

Was sollte nach Krankenhausentlassung beachtet werden?

  • Sofern der Katheter vor der Entlassung noch nicht gezogen werden kann, lassen Sie sich vom medizinischen Personal über den Umgang mit dem Katheter genauestens informieren.
  • Beobachten Sie sich im Hinblick auf das Auftreten von Symptomen wie Brennen und Schmerzen, Fieber, vermehrte Urinausscheidung und kontaktieren Sie bei Auftreten sofort den Arzt.