Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité: Petrischale

AG "PVL-bildender Staphylococcus aureus"

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein häufiger Erreger von eitrigen Haut- und Weichteilinfektionen (Impetigo contagiosa, Follikulitis, Furunkel, Karbunkel), aber auch von Abszessen in inneren Organen oder lebensbedrohlichen Septikämien. Der Mensch stellt das Reservoir für den Erreger S. aureus dar. Der Keim wird durch Kontakte von Mensch zu Mensch übertragen.

Ziel dieser Arbeitsgruppe am Institut für Hygiene und Umweltmedizin ist es, das Krankheitsbild bei Ärzten bekannt zu machen und damit die betroffenen Patientinnen und Patienten vor einem langen Leidensweg zu bewahren.

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Informationen zum Erreger

Ungefähr 20 bis 40 % aller Menschen sind mit S. aureus nasal besiedelt, meist handelt es sich dabei um wenig pathogene und wenig virulente Stämme. Zunehmend treten jedoch Antibiotikaresistenzen bei S. aureus auf (MRSA), wodurch die Behandlung von Infektionen durch diesen Keim erschwert werden. Unabhängig von Antibiotika-Resistenzeigenschaften hat S. aureus durch die Produktion von Enzymen und Toxinen die Möglichkeit, seine Virulenz erheblich zu steigern. Eines dieser Toxine, das Panton-Valentin-Leukozidin (PVL), bewirkt eine Porenbildung in Makrophagen. PVL ist mit invasiven Haut-Weichteilinfektionen sowie nekrotisierenden Pneumonien assoziiert; es wird durch das Gen lukS-lukF determiniert.

Das am häufigsten mit diesen Stämmen assoziierte Krankheitsbild sind rezidivierende, teils massive Abszesse an allen denkbaren Stellen des Körpers. Diagnostik und Therapie von Infektionen mit PVL-bildenden S. aureus sind in Deutschland kaum bekannt und unzureichend erforscht. Dabei kann bei rechtzeitiger Erkennung den Patienten in den meisten Fällen sehr gut geholfen werden. Wurde die Ursache der Infektion auf PVL-bildende S. aureus zurückgeführt und erfolgreich behandelt, können im Rahmen einer Sekundärprävention weitere Infektionen vermieden werden. Dabei reichen meist Dekolonisationsmaßnahmen aus wie sie für eine Besiedlung mit MRSA bereits seit Jahren erfolgreich durchgeführt wird.

Ziele der AG "PVL-bildenden S. aureus"

Die Arbeitsgruppe "PVL-bildenden S. aureus" hat sich zum Ziel gesetzt, vorhandene Therapieverfahren zu evaluieren und an die Gegebenheiten der Berliner Patienten und den vorherrschenden S. aureus Stämmen anzupassen.
Ein weiteres Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, das Krankheitsbild unter Ärzten bekannt zu machen und damit die betroffenen Patientinnen und Patienten vor einem langen Leidensweg zu bewahren.

Veröffentlichungen

Übersichtsarbeiten zu PVL S. aureus

Saeed K et al. International Society of Chemotherapy. Panton-Valentine leukocidin-positive Staphylococcus aureus: a position statement from the International Society of Chemotherapy. Int J Antimicrob Agents. 2018 Jan;51(1):16-25.


Shallcross LJ et al. The role of the Panton-Valentine leucocidin toxin in staphylococcal disease: a systematic review and meta-analysis. Lancet Infect Dis. 2013 Jan;13(1):43-54.

Publikationen der Arbeitsgruppe und von Kooperationspartnern

Hoppe PA, Hanitsch LG, Leistner R, Niebank M, Bührer C, von Bernuth H, Krüger R. Periorbital infections and conjunctivits due to Panton-Valentine Leukocidin (PVL) positive Staphylococcus aureus in children. CBMC Infect. Dis. 2018 Aug 6.

Kramer TS, Gastmeier P, Leistner R. A Trial of Antibiotics for Smaller Skin Abscesses. N Engl J Med. 2017 Dec 28.

Leistner R, Kola A, Gastmeier P, Krüger R, Hoppe PA, Schneider-Burrus S, Zuschneid I, Wischnewski N, Bender J, Layer F, Niebank M, Scheibenbogen C, Hanitsch LG. Pyoderma outbreak among kindergarten families: Association with a Panton-Valentine leukocidin (PVL)-producing S. aureus strain. PLoS One. 2017 Dec 19.

Saeed K, Gould I, Espositio S, Ahmad-Saeed N, Ahmed SS, Alp E, Bal AM, Bassetti M, Bonnet E, Chan M, Coombs G, Dancer SJ, David MZ, De Simone G, Dryden M, Guardabassi L, Hanitsch LG, Hijazi K, Krüger R, Lee A, Leistner R, Pagliano P, Righi E, Schneider-Burrus S, Skov RL, Tattevin P, Van Wamel W, Vos MC, Voss A; International Society of Chemotherapy. Panton-Valentine leukocidin-positive Staphylococcus aureus: a position statement from the International Society of Chemotherapy. Int J Antimicrob Agents. 2017 Nov 22.

Krüger R, Hanitsch LG, Leistner R, Schneider-Burrus S, Hoppe PA, Steinberg S, Hauck F, von Bernuth H. Scabies, Periorbital Cellulitis and Recurrent Skin Abscesses due to Panton-Valentine Leukocidin-Positive Staphylococcus aureus Mimic Hyper IgE Syndrome in an Infant. Pediatr Infect Dis J. 2017 Dec; 36(12):e347-e348.

Wiese-Posselt M, Heuck D, Draeger A, Mielke M, Witte W, Ammon A, Hamouda O. Successful termination of a furunculosis outbreak due to lukS-lukF-positive, methicillin-susceptible Staphylococcus aureus in a German village by stringent decolonization, 2002-2005. Clin Infect Dis. 2007 Jun 1;44(11):e88-95.

Vonberg RP, Sedlacek L, Chaberny IF, Suerbaum S, Gastmeier P, Linde HJ. Multiple abscesses in immunocompetent patients caused by Panton-Valentine leukocidin positive Staphylococcus aureus. Der Hautarzt; Zeitschrift fur Dermatologie, Venerologie, und verwandte Gebiete. 2008;59:319-22.

Kola A, Hübschmann K, Behl ES, Möritz RP, Weitzel-Kage D, Hennig G, Lobeck H,
Seewald M, Gastmeier P.
Skin abscesses in kindergarten children: severe courses due to Panton-Valentine leukocidin producing S. aureus. Klin Padiatr.2010 Sep;222(5):319-20.